Als die Gelder Rasen mähten
In frühgeschichtlicher Zeit wurde das Vermögen eines Menschen an der Größe seiner Herden deutlich. Mag die bekannte schwäbische Maxime sich auf ein urzeitliches Geldkonzept gründen? Schafe, Schafe, Häusle baue! Pecunia non olet - sed pecus. Geld stinkt nicht, doch ist gewiss: Im Stall des Viehs, da riecht es mies. Gewiss ist auch, dass in diesen Gesellschaften das Konzept einer Weideabgabe (englisch "agistment fee") zu der merkwürdigen Frage geführt hätte: Wieviel Vieh kostet denn die Fee? Wer Viehhändler ward einst genannt, der heißt heute "Währungsspekulant".

Auch die Feststellung "Betriebswirt schaft" gepaart mit dem Bemühen des Betriebshirten (neudeutsch: Investor relationship - als Wolf im Schafspelz Mitglied der sogenannten "Investor relationsheep"), die Aktionärsherden zu hüten sowie das Eingreifen des in Bausch und Bogen just denselben überspannenden Renditenrupfers zu verhindern, mag uns die Vorgänge an der Wollstreet erläutern. Jedenfalls ist des Schafes Mehrwert sein Scherwert, bemessen im Gewichtsanteil der Überwollung des Wollschafs am Vollschaf beziehungsweise im Verhältnis des Wollschafs zum Kahlschaf. Man spricht hier auch vom Scherholder-Value. Wie man leicht erkennen kann, ist das vollwertige Schaf ein wollwertiges.

Sähe man in der Aktie weniger das Schaf als den Anteilsschein, so wäre es wohl auch zulässig vom Aktionär als einem Scheinehirten zu sprechen, von dessen an Aktien gehaltenem Portfolio als Scheinestall und der gesamten Börse als einer einzigen Scheinerei, wo Vieles scheint, was doch eigentlich ganz anders ist, mit dem Motto für den Anteilsschein: Mehr Schein als Sein. Man stelle sich die Szene auf einer Hauptversammlung vor: "Da überstimmte der Hauptaktionär den Minderheitseigentümer mit einem scheinischen Grinsen.".

Eine wichtige Eigenschaft des Anteilschafs (pecus participialis) ist seine Überwollung, wenn es viele wollen, es mit Wollen überrollen. Das Gegenteil der Überwollung bildet die Intervallglatze beim jeweiligen Tiefstand des Schafkurses ("Richtiges Benehmen in der Anlegerherde - Blöken für Anfänger"). Wohl dem, der seine Schäfchen rechtzeitig im Trockenen hat!

Betrachtet man nun den Kampf gegen allfällige Kapitalverklumpung durch die Pekunialthrombozyten im Kreislauf des Geldes, dann ist entsprechend unerlässlich, der liquiden Mittel Rinnsal nicht zum Gerinnsal werden zu lassen, es gleichsam als finanzielles Heparinsal gegen sein Schicksal als Klumpsal zu wappnen. Ist es nicht das übliche Strickmuster ökonomischer Krisen, dass sich in der Wolle gefärbte schwarze Schafe die Kontrolle über den Geldfluss verschafen und ihn somit verklumpen?

Da es aber als Lehrmeinung gilt, eine erkleckliche Kapitalverklumpung für normal zu halten, neige ich allmählich zur Feststellung: Die Wirtschaftskunde hör' ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube.