Vom Nichtse
Im Satz "Ich esse keine Erdbeere" käme schulische Satzgliederbestimmung zum Ergebnis, "Erdbeere" sei das direkte Objekt der Satzaussage "esse". Manche Linguisten wären wohl eher der Meinung, "esse keinen/keine/keines" sei ein komplexes Prädikat. Ich aber sage Euch:

Der obige Beispielsatz ist eine Unterform von "Ich esse nichts", wobei ich aber kein x-beliebiges allgemeines Wald-und-Wiesen-Nichts verspeise sondern ein ganz ganz besonderes, welches nur Nichts ist, soweit es Erdbeere ist. Ein Ding also, welches bloß in seiner Funktion als Erdbeere nichts ist, weshalb ich es nach den Gepflogenheiten deutscher Wortzusammensetzung als Erdbeernichts bezeichnen möchte. Daraus folgt:

Ich esse das Erdbeernichts. Beziehungsweise, zumal wir gewohnt sind, jedes Nichts zum Fürwort zu degradieren und entsprechend kleinzuschreiben: Ich esse erdbeernichts. Solcherart machen wir das Nichts gleichsam zur multiplen Persönlichkeit, die sich ins Erdbeernichts, das Mangonichts, Tischnichts, Fußnichts, Ballnichts und so weiter aufspaltet.

Bei hauptwörtlich gebrauchten Eigenschaftswörtern ist uns diese Praxis aber schon seit Kindesbeinen geläufig: Schmieröl ist nichts Köstliches. Das Köstlichnichts ist eben nur nichts, soweit es köstlich ist, wahrnichts?