Das Flüsterzeichen
Ich täte ach so gern
ein Satzzeichen wer'n.
In meinen Strichen ist Ruh,
doch tat mich nicht hinzu
die Menschenmeute
zu ihrer Interpunktion.
Was ich bedeute,
ist Diskretion.

Leise bin ich sehr als Flüsterzeichen,
mag mich in die Texte schleichen,
wispernd zart Dein Ohr erreichen,
raunend Deinem Mund entweichen.
Auch wenn man mich im Text nie sieht,
bitte lies das Flüsterzeichen mit!

Rufzeichen gibt's genug,
doch nach mir frug
noch nie ein Schreiberling.
Durch der Texte Leiber kling
ich sachte, flink in einem Zug.
Ich hab' noch nie gepoltert.
Noch nie ein Ohr ich schlug
mit Getöse, das die Hörer foltert.
Ich raschelte wie süßer Spuk.

Rufzeichen gibt's genug -
Schreie, Schüsse vor den Bug.
Auch mit einem Fragezeichen
wird man Spannung nur erreichen,
bohren, stochern, klagen
über die Flut der Fragen
und der Antwort Rarität.
Oh nein, denn, Leute, seht:

Ich bin ein herrlich leises Flüsterzeichen.
Mit mir kann man vieles mehr erreichen,
Nackenhaare wohlig kräuseln,
flüstern, wispern, säuseln.
In meinen Strichen ist Ruh.
Ich schreib' mich still dazu,
wo der Worte feine Seide
ich mit Anmut gern bekleide.

In meinen Strichen ist Ruh.
Bitte schreib' auch Du
mich fürderhin dazu!